Religionskritik in Zeiten von Pegida und Charlie Hebdo – Vom richtigen Zeitpunkt

Pegida wird von Rechtsextremen organisiert oder unterstützt und verfolgt faschistische Ziele. Während man in Dresden gutmütig noch von vielen naiven Mitläufern ausgehen kann, sind in Städten wie z.B. München die an Pegida angelehnten Kundgebungen klar von Neonazis dominiert (Abendzeitung München). In Dresden mögen runde Tische und Diskussionen diese Mitläufer beeinflussen können. In München ist nach meiner Meinung der harte, unbelehrbare rechtsextreme Kern dafür zu groß. Ich plädiere dafür, daß sich humanistische Verbände und Vereinigungen klar gegen Pegida, und für eine humanistische, weltoffene Gesellschaft aussprechen – zum Beispiel durch die Unterstützung von Gegendemonstrationen. Religionskritik muß weiterhin möglich sein – nur bitte zur richtigen Zeit am richtigen Ort, ohne die Spaltung der Gesellschaft, die von Pegida vorangetrieben wird, auch noch zu unterstützen.

Weiterlesen

Pegida, Muegida & Co – aus humanistischer Sicht

Bild: Die NoBagidaMuc-Demo gegen Muegida am Sendlinger Tor in München, 5.1.15. Oben in der Mitte ist der leere Bereich der Muegida-Anhänger zu sehen. Unten: Lieber Maroni als Muegida!

Die Demonstrationen der Pegida in Dresden und der diversen Ableger in anderen Städten sorgen aktuell auch in der freigeistigen, humanistischen und konfessionsfreien Szene für hitzige Diskussionen.Ich stelle in diesem Artikel meine persönliche Einschätzung der Situation im Hinblick auf die Humanisten und Konfessionsfreien vor.Als humanistischer Atheist bin ich religionskritisch. Ich verwahre mich jedoch gegen Religionsfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und billige Propaganda und Hetze. Die Ziele Pegidas und der diversen Ableger, z.B. Muegida in München, halte ich für rechtsextrem und stelle mich in aller Deutlichkeit dagegen.

Weiterlesen

Bayern: Besonderes Kirchgeld auch bei Lebenspartnerschaften

Das „besondere Kirchgeld“ ist eine Kirchensteuer in Deutschland, die bei der Anwendung des Ehegattensplittings erhoben werden kann: ist der geringerverdienende Partner oder die Partnerin nicht Mitglied eine anerkannten Kirche, Religionsgemeinschaft oder Weltanschauungsgemeinschaft, kann diese Sondersteuer erhoben werden (genaueres, auch Sonderregelungen der einzelnen  Länder, z.B. bei Wikipedia).

Nachdem nun offenbar auch in Bayern Lebenspartnerschaften, also eingetragene, gleichgeschlechtliche Zweierpartnerschaften, rechtlich akzeptiert sind (siehe z.B. Informationen des Lesben- und Schwulenverbandes), und auch das Ehegattensplitting seit 2013 angewendet werden darf (siehe Wikipedia), soll nun mittels eines neuen Gesetzentwurfes, unterstützt von CSU, SPD und freien Wählern (Beschlußempfehlung) im Staatsausschuß für Staatshaushalt und Finanzfragen (Landtag, Drucksachen und Protokolle), auch das besondere Kirchgeld erhoben werden.

Dem Gesetzentwurf zufolge sollen „die Regelungen […] betreffend Ehegatten und Ehen […] auch auf Lebenspartner und Lebenspartnerschaften“ angewendet werden. Weiterhin wird festgelegt, daß das neue Gesetz „für die Veranlagungszeiträume 2001 bis 2013 in allen Fällen anzuwenden [ist], in denen die Kircheneinkommensteuer noch nicht bestandkräftig festgesetzt ist.“. In diesen Fällen kann also eine Erhebung des besonderen Kirchgelds bis zurück ins Jahr 2001 fällig werden.

Quelle: Landtag, Drucksachen und Protokolle

Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung – Statistik zu Religionszugehörigkeit

In der Ausgabe vom 31.5.2014 hat die Süddeutsche in der „Wochenchronik“ eine Graphik veröffentlicht, die unter anderem die Anteile der Katholiken an der Bevölkerung in Deutschland darstellen soll.  Während die katholische und die evangelische Kirche jeweils mit großen Kreisen für 31,2% und 30,9% der Einwohner repräsentiert wurde, wurden die Konfessionsfreien nur unterhalb des Bildes, in verkleinerter Schrift erwähnt: Die Süddeutsche bezeichnete diese, nach ihren Angaben, 30,9% mit „ohne Angaben, keine Zuordnung“.

Diese Darstellung erscheint mir als ein Versuch, eine der größten Gruppen der Bevölkerung, die Konfessionsfreien, zu verstecken. Ich habe daher einen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung geschrieben:

Liebe Redaktion der Süddeutschen,

in Ihrer Ausgabe vom 31.5.2014 zeigen Sie eine Statistik zu absoluter und relativer Zahl von Katholiken in den Bundesländern, in Deutschland und in der Welt. In der Graphik bezüglich „Religionen und Konfessionen in Deutschland“ werden die Konfessionsfreien verschämt und kleingedruckt unter „ohne Angaben, keine Zuordnung“ versteckt.
Nun kann man darüber streiten, welche Zahlen korrekt sind – die der Kirchen, die des statistischen Bundesamtes oder die von anderen Erhebungen, die für Konfessionsfreie einen Bevölkerungsanteil von mehr als 36% berechnen. Sicher ist jedoch: Die Konfessionsfreien bilden eine der größten Gruppen in Deutschland – und werden doch von der Regierung, den meisten Parteien und den Medien nahezu ignoriert. Bitte endlich zur Kenntnis nehmen, daß es in Deutschland eine Bevölkerungsgruppe von mehr als 25 Millionen Menschen gibt, die Ihre Weltanschauung weder auf die katholische oder die evangelische Kirche, noch auf das Christentum, Islam, Judentum oder andere Religionen gründen. Es wird Zeit, dieser Gruppe entsprechendes Gehör zu verschaffen und deren Werte zu respektieren – vielleicht indem man im kommenden Jahr den Humanistentag mit den gleichen Geldmitteln fördert wie den Katholikentag.

Der Leserbrief wurde auch auf Facebook in Forum der Sozial-demokratischen Laizistinnen und Laizisten veröffentlicht.

Ergänzung vom 28. Juli 2014: Der Leserbrief wurde am 7. Juni 2014 in der Süddeutschen veröffentlicht!

Mein Hinweis, daß man über die Zahlen streiten könne, rechtfertigt sich zum Beispiel durch die Zahlen von fowid / Religionszugehörigkeit Deutschland.

Gesprächskreis der Humanistinnen, Humanisten und Konfessionsfreien in der Bayern-SPD unterstützt Martin Schulz

news-imageMartinSchulz

Die Humanistinnen, Humanisten und Konfessionsfreien in der Bayern-SPD unterstützen Martin Schulz, Präsident des europäischen Parlaments und Spitzenkandidat der SPD zur Europawahl.

Wir begrüßen ausdrücklich seine Bestrebung, den öffentlichen Raum in Bezug auf Religionen und Weltanschauungen neutral zu gestalten. In öffentlichen Schulen, Gerichten oder Parlamenten dürfen den Bürgerinnen und Bürgern Europas keine einzelnen Glaubensrichtungen aufgezwungen werden. Jeder soll sich willkommen fühlen, niemand darf ausgegrenzt werden.

Das oft angeführte Kruzifix-Urteil hat Bayern keinen Rechtsfrieden gebracht; es hat dazu geführt, dass konfessionsfreie Kinder und deren Eltern, die mit gutem Recht verlangen, dass ein Kruzifix aus dem Klassenzimmer entfernt wird, öffentlich angegriffen und von allen Parteien diffamiert wurden.

Martin Schulz trägt die große Tradition der europäischen Aufklärung fort in unsere moderne Zeit. Er steht zu seinem Nichtglauben und kann Vorbild sein für konfessionsfreie Menschen, die in Deutschland mit 36,6% neben Katholiken, Protestanten und Muslimen die größte Bevölkerungsgruppe bilden.

Die Kulturen in Europa sind geprägt worden und werden geprägt von verschiedenen Religionen und Weltanschauungen. Zusammen bilden sie einen großartigen europäischen Wertekanon, in dem sich jeder heimisch fühlen sollte – egal ob Katholik, Protestant, Muslim, Humanist, Atheist oder Agnostiker. Erst ein weltanschaulich neutraler Staat garantiert die freie Entfaltung und Ausübungen aller Weltanschauungen und Religionen in gleicher Weise.

Es ist wünschenswert, dass gerade die SPD, die auf eine lange freidenkerische Tradition zurückblicken kann, auch in dieser Position Martin Schulz unterstützt.

Quelle: humanisten-bayernspd.de

Quelle des Pressebilds von Martin Schulz: http://www.martin-schulz.eu/de/assets/media/news/news-image.jpg

Die Mär vom Automatismus von Neuwahlen bei Ablehnung des Koalitionsvertrags

In den kommenden Tagen dürfen SPD-Mitglieder abstimmten, ob Ihre Partei eine große Koalition mit der CDU und mit der CSU eingehen soll. Von verschiedene Seiten wurden Warnungen geäußert, daß eine Ablehnung des Koalitionsvertrages direkt zu Neuwahlen führen würde (Michael Fuchs, CDU , Andrea Nahles, SPD, Seehofer, CSU).

Tatsache ist jedoch, daß ein Herbeiführen von Neuwahlen nur unter Mißachtung des Geistes des Grundgesetzes möglich wäre!

Weiterlesen

Gott besser einfach mal weglassen! Kritik zur Filmkritik „Chasing Ice“ in der Süddeutschen

Ein unnötiger Verweis auf Gott? Subtile Bekräftigung der Existenz Gottes? In der Ausgabe vom 9. November 2013 berichtet die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel über den Film „Chasing Ice“ von James Balog und verwendet den Begriff „Göttliche Architektur“ als selbstverständliche Tatsache. Weiterlesen

Autobahnmaut – oder was geht denn hier ab?

Die deutschen Straßen und zugehörige Infrastruktur sind renovierungsbedürftig. Dazu braucht es Geld. Jetzt könnte man natürlich so ehrlich wie die SPD sein und Steuererhöhungen verlangen, die dann zu diesem Zweck genutzt werden könnten (tagesspiegel). Denkbar wäre auch eine allgemeine Maut für In- und Ausländer, die ehrlicherweise auch so genannt und diskutiert werden sollte. Oder man könnte, wie CSU und CDU, Steuererhöhungen kategorisch ausschließen. Möglicherweise hat man jedoch auch schon bei der CSU festgestellt, daß der Staat schlichtweg mehr Geld benötigt. Da käme so eine Maut, natürlich nur für Ausländer, ganz recht. Ist ja keine „Steuer“, und Deutsche zahlen laut CSU sowieso nicht. Zumindest erstmal nicht? Weiterlesen