{"id":700,"date":"2016-11-30T21:47:12","date_gmt":"2016-11-30T20:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.atheologie.de\/blog\/?p=700"},"modified":"2016-11-30T21:47:12","modified_gmt":"2016-11-30T20:47:12","slug":"bundesverfassungsgericht-kippt-tanzverbot-an-karfreitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/?p=700","title":{"rendered":"Bundesverfassungsgericht kippt Tanzverbot an Karfreitag"},"content":{"rendered":"<p>Endlich! Das Bundesverfassungsgericht hat best\u00e4tigt, da\u00df das generelle Tanzverbot an Karfreitag verfassungswidrig ist (siehe <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2016\/bvg16-087.html\">Bundesverfassungsgericht<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.bfg-muenchen.de\/portal\/article\/verfassungsgericht-kippt-strikten-feiertagsschutz\">Bund f\u00fcr Geistesfreiheit<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bundesverfassungsgericht-generelles-tanzverbot-an-karfreitag-in-bayern-ist-verfassungswidrig-1.3273153\">S\u00fcddeutsche<\/a>). Die Hartn\u00e4ckigkeit des Bunds f\u00fcr Geistesfreiheit M\u00fcnchen hat sich endlich gelohnt!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWarum ist das ein guter Tag? Weil eine der gesetzlichen Regelungen angegriffen wird, die religionsfreie Menschen v\u00f6llig unn\u00f6tigerweise in ihren Freiheiten einschr\u00e4nken. Wie skurril ist es denn, an einem stillen Feiertag ein Schachturnier zu verbieten (<a href=\"https:\/\/atheologie.wordpress.com\/2012\/04\/02\/gott-sei-dank-kirche-trocknet-sundenpfuhl-aus-kein-schachspiel-am-karfreitag\/\">Atheologie.de<\/a>)? Was genau soll einen Gottesdienstbesucher st\u00f6ren, wenn irgendwo in einem M\u00fcnchner Stadtviertel, in einem geschlossenen Raum, eine Party stattfindet? Es ist eben keine Lappalie &#8211; denn wenn es\u00a0 unwichtig w\u00e4re, warum wird dieses verfassungswidrige Recht der Religionsgemeinschaften so vehement verteidigt? Vermutlich weil es eine der letzten Bastionen ist anderen, unbeteiligten Menschen irrationale Verhaltensweisen aufzudr\u00e4ngen (<a href=\"https:\/\/atheologie.wordpress.com\/2009\/11\/13\/die-aggressiven-christen\/\">Atheologie.de<\/a>). Dieses Urteil greift die ungerechtfertigte Selbstverst\u00e4ndlichkeit der Religionsgemeinschaften an, den Alltag auch der Religionsfreien bestimmen zu wollen. Es sei jedem religi\u00f6sen Menschen von Herzen geg\u00f6nnt, Feiertage so zu begehen, wie er es m\u00f6chte. Es ist auch nicht im Geringsten das Bestreben der religionsfreien Mitglieder des Bunds f\u00fcr Geistesfreiheit, Gottesdienste zu st\u00f6ren. Was hier endlich durch das Bundesverfassungsgericht best\u00e4tigt wurde ist, da\u00df religionsfreie Menschen eine andere weltanschauliche Auffassung davon haben d\u00fcrfen, was man an einem Karfreitag tun m\u00f6chte, und was nicht &#8211; und da\u00df dies genauso sch\u00fctzenwert ist wie die Bed\u00fcrfnisse der religi\u00f6sen Menschen. Wer am Karfreitag in einer Kirche tanzen w\u00fcrde, w\u00fcrde nat\u00fcrlich respektlos gegen\u00fcber den dort Anwesenden handeln &#8211; in den eigenen R\u00e4umen darf jeder seine eigene Auffassung durchsetzen. Das Verfassungsgericht hat jedoch auch best\u00e4tigt, da\u00df eine &#8222;gef\u00fchlte St\u00f6rung&#8220; durch eine Aktivit\u00e4t an einem v\u00f6llig anderen, unabh\u00e4ngigen Ort keine Rechtsverletzung sein kann.<\/p>\n<p>Wie sehr dieses Urteil die Verteidiger der Kirchenprivilegien trifft, zeigt sich in der Wortwahl gegen\u00fcber dem Bund f\u00fcr Geistesfreiheit: Wolfgang Janisch verwendet (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/feiertage-auszeit-vom-dauer-vergnuegen-1.3273417\">S\u00fcddeutsche<\/a>) die abwertende Formulierung &#8222;ein &#8218;Bund f\u00fcr Geistesfreiheit'&#8220; &#8211; so als ob dieser Bund ein Auss\u00e4tziger sei. Noch getroffener zeigt sich der <a href=\"https:\/\/www.bayernkurier.de\/inland\/19992-bayern-will-fuer-stille-tage-kaempfen\">Bayernkurier<\/a>:\u00a0 Er schreibt &#8222;der sogenannte &#8218;Bund f\u00fcr Geistesfreiheit'&#8220; &#8211; man hat offensichtlich keine Argumente, also mu\u00df man den vermeintlichen Gegner herabstufen.<\/p>\n<p>Der Bund f\u00fcr Geistesfreiheit ist eine \u00fcber 150 Jahre alte Vereinigung humanistisch, demokratisch und s\u00e4kular gesinnter Menschen, gegr\u00fcndet als eine der vielen historischen freireligi\u00f6sen Bewegungen. W\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurden diese Vereinigungen nicht nur in Bayern entweder verboten oder unterdr\u00fcckt (<a href=\"http:\/\/hpd.de\/node\/390\">hpd.de<\/a>). Es ist eine Anma\u00dfung, diesen Verein zu diskreditieren.<\/p>\n<p>Im gleichen Artikel (<a href=\"https:\/\/www.bayernkurier.de\/inland\/19992-bayern-will-fuer-stille-tage-kaempfen\">Bayernkurier<\/a>) wird der sogenannte Ministerpr\u00e4sident Seehofer zitiert mit &#8222;Man kann nur noch den Kopf sch\u00fctteln, mit welchen Spitzfindigkeiten heutzutage Urteile gef\u00e4llt werden&#8220;. Das mu\u00df man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein Ministerpr\u00e4sident bezeichnet die Rechtsauffassung des Bundesverfassungsgerichts als &#8222;spitzfindig&#8220; &#8211; so als best\u00fcnde das Gericht aus einer Bande von Kleingauner und Betr\u00fcgern. Hier mangelt es an Respekt vor den Organen unserer demokratischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Jetzt hei\u00dft es erstmal Tanzen, Feiern und Spa\u00df haben am kommenden Karfreitag &#8211; so wie es der religionsfreien, menschenliebenden Weltanschauung des Bunds f\u00fcr Geistesfreiheit angemessen ist!<\/p>\n<p><em>Der Autor ist Mitglied des Bundes f\u00fcr Geistesfreiheit in M\u00fcnchen.<\/em><\/p>\n<p><em>Bild: <a href=\"http:\/\/www.bfg-muenchen.de\/portal\/article\/wer-hat-den-sch%C3%A4fflern-den-saft-abgedreht\">Pixabay \/ Public Domain<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich! Das Bundesverfassungsgericht hat best\u00e4tigt, da\u00df das generelle Tanzverbot an Karfreitag verfassungswidrig ist (siehe Bundesverfassungsgericht, Bund f\u00fcr Geistesfreiheit und S\u00fcddeutsche). 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