{"id":291,"date":"2013-03-29T13:03:20","date_gmt":"2013-03-29T12:03:20","guid":{"rendered":"http:\/\/atheologie.wordpress.com\/?p=291"},"modified":"2014-07-28T21:26:00","modified_gmt":"2014-07-28T19:26:00","slug":"ostern-karfreitag-tanzverbot-das-alljahrliche-blabla-der-kirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/?p=291","title":{"rendered":"Ostern, Karfreitag, Tanzverbot &#8211; Das allj\u00e4hrliche &#8222;Blabla&#8220; der Kirchen"},"content":{"rendered":"<p>Inzwischen kann man guter Hoffnung sein kann, da\u00df die Medienberichterstattung \u00fcber den neuen Papst Franziskus langsam nachl\u00e4\u00dft und man nicht mehr erschrocken vom Sofa fallen mu\u00df, wenn man, nichts B\u00f6ses ahnend, eine Serie im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen anschaut und pl\u00f6tzlich wei\u00dfen Rauch aufsteigen sieht:\u00a0\u00a0 Die &#8222;M\u00fcnchen 7&#8220;-Folge &#8222;Ein letztes Mal&#8220; wurde wegen der Papstwahl unterbrochen (siehe auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%BCnchen_7\">Wikipedia<\/a>), auf einem Gro\u00dfteil der \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehsender wurde, gleichgeschaltet, &#8222;Papst&#8220; gezeigt.<\/p>\n<p>Doch die Freude w\u00e4hrt nicht lange: Ostern steht vor der T\u00fcr und damit werden wir sicher wieder mit den neuesten klerikalen Aussagen in allen Medien bombardiert werden. Aber auch wir <a href=\"http:\/\/atheologie.wordpress.com\/2009\/12\/21\/furchtet-euch-vor-den-militanten-atheisten\/\">Militante Atheisten<\/a> haben vor Ostern nat\u00fcrlich schon ein Ziel im Auge: Das Karfreitagstanzverbot. Und so beginnt das j\u00e4hrliche Ringelreihen &#8211; juhe!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tanzverbot &#8211; hier zitiere ich mal\u00a0 <a href=\"http:\/\/atheologie.wordpress.com\/2009\/11\/13\/die-aggressiven-christen\/\">meinen eigenen Blog<\/a>: damals geschrieben kurz nach Allerheiligen, einem weiteren stillen Feiertag, an dem es verboten ist, in Schankbetrieben oder unangemessen Musik darzubieten:<\/p>\n<p>&#8222;An und f\u00fcr sich eine Lappalie: da ist es verboten, an einigen Tagen im Jahr \u00f6ffentlich zu Tanzen und Musik zu spielen (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/110\/492466\/text\/\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/a>). Man k\u00f6nnte nun meinen, den Kirchg\u00e4ngern an Allerheiligen k\u00f6nnte es wurstegal sein, wenn im benachbarten Industriegebiet eine Disco im Untergescho\u00df wummert. Ist es aber nicht! Das Tanzverbot wird mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen verteidigt.&#8220;<\/p>\n<p>Ach ja, nat\u00fcrlich sind an Karfreitag auch Sportveranstaltungen nicht erlaubt, ich erinnere an die letztj\u00e4hrige Diskussion um ein <a href=\"http:\/\/atheologie.wordpress.com\/2012\/04\/02\/gott-sei-dank-kirche-trocknet-sundenpfuhl-aus-kein-schachspiel-am-karfreitag\/\">Schachturnier in Wei\u00dfenburg<\/a>.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die humanistische, freigeistliche Giordano-Bruno-Stiftung zusammen mit anderen Gruppierungen in vielen deutschen St\u00e4dten das <a href=\"http:\/\/www.hasenfest.org\/\">Hasenfest<\/a> feiert (siehe auch <a href=\"http:\/\/blasphemieblog2.wordpress.com\/2013\/03\/29\/hasenfest-frankfurt-2013\/\">Atheist Media Blog<\/a>), er\u00f6ffnet die evangelische Kirche in Deutschland mit der Ver\u00f6ffentlichung eines <a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/aktuell\/87511.html\">Interviews mit ihrem Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider<\/a>. An diesem Interview kann man sehr sch\u00f6n verdeutlichen, mit welchem &#8222;Blabla&#8220; Scheinargumente dargebracht werden.<\/p>\n<p>Auf die Frage. warum Gott die Grausamkeit des Kreuztodes Jesu zulasse, antwortet Schneider: &#8222;<strong><\/strong><em>Ich bin ein wenig zur\u00fcckhaltend, Gottes Haltung beschreiben und begr\u00fcnden zu wollen. Das sollte sich kein Mensch anma\u00dfen.<\/em>&#8220; Juhu! Regel Nummer 1 bei theologischen Aussagen: Wir sind nicht w\u00fcrdig, dar\u00fcber zu urteilen oder wir k\u00f6nnen es schlichtweg nicht begreifen. Blabla.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Frage: &#8222;<em>Wie ist die Frage heute zu beantworten, ob Ostern das Grab Jesu leer war? <\/em>&#8222;. Schneider antwortet: &#8222;<em>Da lasse ich mich auf physikalische oder biochemische Debatten \u00fcberhaupt nicht ein.<\/em>&#8220;\u00a0 Prima &#8211; das ist ein sehr kluger Zug. Denn wenn Theologen \u00fcberpr\u00fcfbare naturwissenschaftliche Aussagen machen, dann m\u00fcssen sie sich auch daran messen lassen, indem man diese Aussagen wissenschaftlich \u00fcberpr\u00fcft. Wird Schneider diesen Fallstrick vermeiden&#8230;: &#8222;<em>Auf der theologischen Ebene kann ich nur sagen: Klar war das Grab leer.<\/em>&#8220; Bumm. Eine klare, naturwissenschaftliche Aussage: Erst war jemand im Grab drin, danach war es leer.\u00a0 Auf die Frage, wie das denn gehe, sagt Schneider: &#8222;<em>Das geh\u00f6rt zu den Geheimnissen, wie Gott \u00fcberhaupt Leben geschaffen hat.<\/em>&#8220; Juhu &#8211; wir wenden wieder Regel Nummer 1 an. Das sch\u00f6ne an Regel Nummer 1 ist, da\u00df sich damit alle Aussagen der Welt begr\u00fcnden lassen. Warum \u00fcberlebt unsere <a href=\"http:\/\/atheologie.wordpress.com\/2010\/09\/17\/gott-mit-dir-du-land-der-bayern\/\">Bayerischer Ministerpr\u00e4sident die Begegnung mit einem Geisterfahre<\/a>r auf der Autobahn, warum m\u00fcssen andere bei solchen Gelegenheiten sterben? Gott hat&#8217;s gemacht! Wie? Das ist f\u00fcr uns Menschen nicht zu verstehen. Die offensichtliche Antwort, Seehofer hatte schlichtweg ein gutes Sicherheitsteam und gute Fahrer, ist da sicher nicht so tragend.<\/p>\n<p>Aber ich schweife ab, nun zum Thema Karfreitag und Tanzverbot! Befragt nach seiner Haltung zur Feiertagsruhe an Karfreitag sagt Schneider: &#8222;<em>Ob wir als Kirchen Gottesdienst feiern k\u00f6nnen, h\u00e4ngt nicht von einem gesch\u00fctzten Feiertag ab.<\/em>&#8220; Juhu! Das ist doch mal ein klares Wort! Und weiter: &#8222;<em>Es gibt eine kulturelle Pr\u00e4gung unserer Gesellschaft. Und es tut der Gesellschaft gut, sich Fragen des Sterbens, der Endlichkeit, des B\u00f6sen und der Zerst\u00f6rung zu stellen [&#8230;] Dazu brauchen Menschen Konzentration und Stille.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier auf das <a href=\"http:\/\/www.gesetze-bayern.de\/jportal\/portal\/page\/bsbayprod.psml?showdoccase=1&amp;doc.id=jlr-FeiertGBYrahmen&amp;doc.part=X&amp;doc.origin=bs\">bayerischen Feiertagsgesetz<\/a> verweisen: Das ganze Gesetz bezieht sich an vielen Stellen auf eine m\u00f6gliche St\u00f6rung des Gottesdienstes. Ich m\u00f6chte hier klarstellen: Nat\u00fcrlich soll es jedem m\u00f6glich sein, ungest\u00f6rt einen Gottesdienst in einer Kirche, Moschee, Synagogen oder anderen religi\u00f6sen R\u00e4umen durchzuf\u00fchren. Die Frage ist hier: wie kann eine Diskothek im Industriegebiet den Gottesdienst in einer Kirche am Marktplatz st\u00f6ren? Schneider sieht das wohl, laut seinem obigen Zitat, genauso wie ich: gar nicht. Deswegen sind diese entsprechend Gesetzesstellen schlichtweg unn\u00f6tig. Die zweite Aussage, die in Schneiders Antwort enthalten ist, ist dagegen sehr bedenklich: Schneider ma\u00dft sich hier an, den Menschen vorschreiben zu wollen, wie sie mit Trauer und dem &#8222;B\u00f6sen&#8220; umgehen sollen. Nebenbei: was genau &#8222;das B\u00f6se&#8220; denn nun ist, definiert Schneider nicht, wahrscheinlich m\u00fc\u00dften wir dann wieder Regel Nummer 1 anwenden. Was genau ist so perfide an Schneiders Aussage? Nicht nur, da\u00df er verlangt, da\u00df wir in &#8222;Konzentration und Stille&#8220; \u00fcber diese Dinge nachdenken, er schreibt uns auch noch vor, wann wir das tun sollen! Geht&#8217;s denn noch?<\/p>\n<p>Etwas sp\u00e4ter baut Schneider diese Aussage noch aus: &#8222;<em>Warum wollt Ihr keine R\u00fccksicht nehmen auf die \u00f6ffentliche Kultur, die den Karfreitag als stillen Feiertag tradiert? Was ist da eigentlich los?<\/em>&#8220; Herr Schneider: Kultur ist das, was die Gesellschaft lebt! Kultur lebt und ver\u00e4ndert sich! Wenn jemand am Aschermittwoch Schweinsbraten i\u00dft und an Karfreitag auf einer Technoparty wild abtanzt: dann ist dies eben auch Kultur!<\/p>\n<p>Schneider f\u00fcgt noch einige unbeweisbare, religi\u00f6sen Aussagen an (blabla), um seine Meinung zu untermauern. Aber dann die \u00dcberraschung. Es wird mal nicht Regel Nummer 1 angewendet, sondern Totschlagargument 2: &#8222;I\u00df Deine Suppe auf!&#8220; &#8211; &#8222;Warum?&#8220; &#8211; &#8222;In Afrika sterben die Kinder.&#8220;. In Schneiders Worten: &#8222;<em>Sind gemeinsame, stille Feiertage f\u00fcr Euch nicht wichtig oder seid Ihr so hemmungslose Egoisten[&#8230;]\u00a0 \u00d6ffentlicher Protest ist n\u00f6tig. Aber sind das die Freiheitsfragen, die wir heute haben?<\/em>&#8222;. Was hat das mit der Suppe zu tun? So wie das Aufessen der Suppe keinem hungrigen in einem anderen Land hilft, genauso wenig hilft der Verzicht auf Kritik am Tanzverbot, das andere wichtigere &#8222;<em>Freiheitsfragen<\/em>&#8220; gel\u00f6st werden. Genauso gut k\u00f6nnte man einem Tiersch\u00fctzer das Nonsensargument &#8222;K\u00fcmmere Dich nicht um die doofen Katzen, sondern lieber um Obdachlose&#8220; entgegenwerfen.<br \/>\nIch m\u00f6chte nicht mi\u00dfverstanden werden: nat\u00fcrlich gibt es wichtige Werte, die aus der Gesellschaft kommen m\u00fcssen. Manche dieser Werte sind es &#8222;wert&#8220; in Gesetze gegossen zu werden, wie Gesetze gegen Mord oder Diebstahl oder Diskriminierung. Unsere Gesetze regeln vor allem Dinge, deren Nichteinhaltung einem einzelnen oder auch der Gesellschaft an sich schadet. Der Schaden, der entsteht, wenn man, ohne St\u00f6rung von religi\u00f6sen Feierlichkeiten, Musik spielt, tanzt und Freude hat, ist mir schlichtweg nicht ersichtlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen kann man guter Hoffnung sein kann, da\u00df die Medienberichterstattung \u00fcber den neuen Papst Franziskus langsam nachl\u00e4\u00dft und man nicht mehr erschrocken vom Sofa fallen mu\u00df, wenn man, nichts B\u00f6ses ahnend, eine Serie im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen anschaut und pl\u00f6tzlich wei\u00dfen Rauch aufsteigen sieht:\u00a0\u00a0 Die &#8222;M\u00fcnchen 7&#8220;-Folge &#8222;Ein letztes Mal&#8220; wurde wegen der Papstwahl unterbrochen (siehe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-291","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-atheismus-atheologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/291","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=291"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/291\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":496,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/291\/revisions\/496"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=291"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=291"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=291"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}