{"id":111,"date":"2010-01-06T02:16:34","date_gmt":"2010-01-06T01:16:34","guid":{"rendered":"http:\/\/atheologie.wordpress.com\/2010\/01\/06\/111\/"},"modified":"2014-07-28T21:26:20","modified_gmt":"2014-07-28T19:26:20","slug":"111","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/?p=111","title":{"rendered":"Bayerischer Rundfunk: Milltianter und k\u00e4mpferischer Atheismus"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]&gt;  WiedenmK 11.9999  &lt;![endif]--><!--[if gte mso 9]&gt;  Normal 0 21   false false false        MicrosoftInternetExplorer4  &lt;![endif]--><!--[if gte mso 9]&gt;   &lt;![endif]--><!--[if !mso]&gt;--><\/p>\n<p><!--[endif]--> <!--  \/* Style Definitions *\/  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal \t{mso-style-parent:\"\"; \tmargin:0cm; \tmargin-bottom:.0001pt; \tmso-pagination:widow-orphan; \tfont-size:12.0pt; \tfont-family:\"Times New Roman\"; \tmso-fareast-font-family:\"Times New Roman\";} a:link, span.MsoHyperlink \t{color:blue; \ttext-decoration:underline; \ttext-underline:single;} a:visited, span.MsoHyperlinkFollowed \t{color:purple; \ttext-decoration:underline; \ttext-underline:single;} @page Section1 \t{size:595.3pt 841.9pt; \tmargin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; \tmso-header-margin:35.4pt; \tmso-footer-margin:35.4pt; \tmso-paper-source:0;} div.Section1 \t{page:Section1;} --> <!--[if gte mso 10]&gt; &lt;!    \/* Style Definitions *\/  table.MsoNormalTable \t{mso-style-name:&quot;Normale Tabelle&quot;; \tmso-tstyle-rowband-size:0; \tmso-tstyle-colband-size:0; \tmso-style-noshow:yes; \tmso-style-parent:&quot;&quot;; \tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; \tmso-para-margin:0cm; \tmso-para-margin-bottom:.0001pt; \tmso-pagination:widow-orphan; \tfont-size:10.0pt; \tfont-family:&quot;Times New Roman&quot;; \tmso-ansi-language:#0400; \tmso-fareast-language:#0400; \tmso-bidi-language:#0400;}  --> <!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In den letzten Jahren konnte man feststellen, da\u00df es selbst im bayerischen Rundfunk nicht immer nur christlich und christsozial zugehen mu\u00df. Im Gegenteil, z.B. mit \u201eQuer\u201c von Christoph S\u00fc\u00df gibt es aufgewecktes, frisches Fernsehen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Allerdings gibt es im Bayerischen Rundfunk auch die Sendung \u201eKatholische Welt\u201c. Hans-Joachim T\u00fcrk hat am 3. Januar 2010 auf Bayern 2 (<a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/ard\/servlet\/content\/3583040;jsessionid=503A50411D1883FBB8CBE80F1CA9CBE1\" target=\"_blank\">Mediathek<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/bayern2\/manuskripte\/manuskript-download-katholische-welt-ID1200569330452.xml\" target=\"_blank\">Skript<\/a> ) einen Beitrag zur \u201eWiederkehr des klassischen Atheismus\u201c ver\u00f6ffentlicht, der keinen Zweifel an dem Standpunkt der Sendung l\u00e4\u00dft: Pro Kirche, kontra Atheismus. Nun ist die Stellungnahme f\u00fcr die Kirche prinzipiell nat\u00fcrlich in Ordnung; der Beitrag von Hans-Joachim T\u00fcrk st\u00f6\u00dft allerdings durch seine polemische Machart auf. Schon der Titel \u201cWiederkehr des klassischen Atheismus\u201c unterstellt, da\u00df der Atheismus \u201eabwesend\u201c gewesen sei. Tats\u00e4chlich ist es eher so, da\u00df in den letzten Jahrzehnten das Thema Religion f\u00fcr viele Konfessionslose, Agnostiker und Atheisten nicht interessant war. Erst mit dem (scheinbaren?) Aufbl\u00fchen von Religiosit\u00e4t auch im s\u00e4kularen Europa tritt daher atheistisches Gedankengut wieder in die Schlagzeilen. Vorher hat es wohl schlicht und einfach niemand f\u00fcr n\u00f6tig gehalten, Offensichtliches zu nennen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Beitrag beginnt mit der Erw\u00e4hnung von \u201ek\u00e4mpferischen Atheistenverb\u00e4nden\u201c. Sch\u00f6n. Wieder ein neues Attribut, neben <a href=\"http:\/\/www.Atheologie.de\/x\/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=72&amp;Itemid=11\" target=\"_blank\">\u201eaggressiv\u201c und \u201emilitant\u201c <\/a> nun \u201ek\u00e4mpferisch\u201c. Aber ich mu\u00df zugeben \u2013 passend. Aber auch T\u00fcrk verwendet sp\u00e4ter in seinem Beitrag das unterstellende Attribut \u201emilitant\u201c. Militant m\u00f6gen Gottesk\u00e4mpfer sein, die Unschuldige durch Selbstmordattentate ermorden. Atheisten, die einzig \u00f6ffentlich und eindeutig f\u00fcr ihr Weltbild eintreten, als \u201emilitant\u201c zu bezeichnen, ist eine b\u00f6swillige Unterstellung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Hans-Joachim T\u00fcrk behauptet, da\u00df die Zahl der Atheistenvereine und \u201ebekennende[n] Atheisten\u201c\u00a0 \u201eerheblich\u201c zur\u00fcckgegangen sei. Was ist ein \u201ebekennender Atheist\u201c?\u00a0 Der Autor unterstellt, da\u00df durch ein mangelndes \u00f6ffentliches Bekenntnis zu einem Weltbild die Zahl der Unterst\u00fctzer zur\u00fcckgegangen sei. Wie oben geschrieben \u2013 dies kann auch daran liegen, da\u00df niemand die Notwendigkeit einer \u00f6ffentlichen Diskussion sah, da das Thema als erledigt schien.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im folgenden zieht Hans-Joachim T\u00fcrk \u00fcber Richard Dawkins her. Er sieht in Dawkins eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die aktuellen Diskussionen zum Atheismus. So sehr ich Dawkins\u2019 Meinung und seine Ver\u00f6ffentlichungen guthei\u00dfe und unterst\u00fctze: dies ist eine Unterschlagung vielen aktiven Atheisten und Agnostikern auch in Deutschland, nicht zu vergessen die Verb\u00e4nde der Konfessionslosen. Ohne Deschner und Schmidt-Salomon w\u00e4re die deutsche atheistische Landschaft heute nicht das, was sie ist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">T\u00fcrk zitiert Herbert Schn\u00e4delbach: \u201eBei n\u00e4herem Hinsehen erweist sich &#8218;Atheismus&#8216; als ein ziemlich undeutlicher Sammelbegriff, und darum f\u00e4llt es schwer, ihn durch eine einfache Definition zu fassen. Manchmal trifft man noch auf die Vorstellung, die Atheisten seien Gegner Gottes, also Anti-Theisten, aber das ist ein Widerspruch, denn um gegen etwas sein zu k\u00f6nnen, mu\u00df man voraussetzen, da\u00df es existiert. Das f\u00fchrt zu der erheiternden Erkenntnis, da\u00df es eigentlich keine Atheisten g\u00e4be, wenn es Gott nicht g\u00e4be.\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Hach, wie spa\u00dfig. Offensichtlich versteht T\u00fcrk die aktuellen Absichten der Konfessionslosen nicht: Es geht nicht um ein Vertreiben der Religionen, sondern f\u00fcr den Erhalt aufkl\u00e4rerischen, rationalen Gedankenguts.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">T\u00fcrk f\u00fchrt weiterhin Robert Spaemann an, nach dessen Ansicht die Beweislast f\u00fcr die Nichtexistenz eines Gottes bei den Atheisten liegt. Auch gut. Dann soll die katholische Kirche doch mal beweisen, da\u00df Zeus, die Offenbarung der Mormonen, Cargo-Kulte und der gro\u00dfe Arkelanfall falsche Konstrukte sind (ok, ich darf doch auch mal polemisch sein \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Seitens einer empirischen Weltsicht ist jedoch eindeutig: wer eine Theorie aufstellt, mu\u00df diese auch mit guten Argumenten und Daten belegen. Ohne diese Vorgehensweise k\u00f6nnen wir Diskussionen gleich von vornherein vergessen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In einem Absatz geht T\u00fcrk kurz auf den \u201ek\u00e4mpferischen Kreationismus\u201c ein. Sch\u00f6n \u2013 nicht nur die Atheisten sind k\u00e4mpferisch. Aber die Wortwahl suggeriert nat\u00fcrlich: Atheisten und Kreationisten \u2013 das sind doch alles die gleiche Brut. Aber halt \u2013 Atheisten sind ja auch \u201emilitant\u201c \u2013 uns mu\u00df man also mehr f\u00fcrchten!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dem Autor zu Gute halten mu\u00df man, da\u00df er eine w\u00f6rtliche Interpretation von Glaubensinhalten ablehnt. F\u00fcr ihn k\u00f6nnen Religion und Naturwissenschaft parallel existieren. Dies ist in meinen Augen ein durchaus pragmatisches Weltbild. Allerdings kann ich dem nicht zustimmen: Jede Religion, die an mindestens einen Gott glaubt, lebt davon, da\u00df dieser Gott, auf welche Art und Weise auch immer, in das Weltgeschehen eingreift. Tut er dies nicht, ist er schlichtweg \u00fcberfl\u00fcssig. Tut er es aber, handelt er im Widerspruch zu den Naturgesetzen. Eine strikte Trennung von Glaube und Wissenschaft ist also zwar eine gute L\u00f6sung, um eine gemeinsame, friedvolle Basis f\u00fcr gemeinsames ethisches Handeln zu finden, letztendlich ist eine solche Trennung allerdings generell nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Autor des Beitrags geht auch auf das Theodizeeproblem ein: woher stammt das \u201eB\u00f6se\u201c in der Welt? Er zitiert hierzu Gerhard Lohfink:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eIst mit Auschwitz die Gottesfrage nicht eben doch erledigt? H\u00e4tte Gott &#8211; wenn es ihn gibt &#8211; nicht das Schicksal der wehrlosen Kinder, Frauen und Greise, die in die Gaskammern getrieben wurden, das Herz zerrei\u00dfen m\u00fcssen? [\u2026] Die Antwort kann nur lauten: Gott handelt durch Menschen. Durch Menschen, die an ihn glauben, die von seinem Geist ergriffen sind und vor Diktatoren keine Angst mehr haben. Leider waren es zu wenige, die auf diese Weise Gott handeln lie\u00dfen. Hat also Gott nicht gehandelt? Nein, die Christen in Deutschland haben in ihrer Mehrheit nicht gehandelt. Hat Gott geschwiegen? Nein, die Christen haben geschwiegen.\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ohne das T\u00fcrk es merkt, hat er in seiner Argumentationskette der Religion die Basis entzogen: Ein in die Welt eingreifender Gott steht im Gegensatz zu einem naturwissenschaftlichen Weltbild. Das \u201eB\u00f6se\u201c entsteht letztendlich nur durch die Weigerung der Menschen, an \u201eGott\u201c zu glauben und in seinem Sinne zu handeln. \u201eGott\u201c ist also nur noch ein abstrakter Gedanke, der selbst nicht f\u00e4hig ist zu handeln. In der Konsequenz kann man den Gottesbegriff also gleich komplett fallen lassen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">T\u00fcrk zitiert die \u201eDoppelfrage\u201c des Boethius \u201e&#8220;Wenn es Gott gibt, woher \u00dcbles und B\u00f6ses? Wenn es Gott nicht gibt, woher das Gute?\u201c und gibt seine Antworten:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eAuf die erste Frage lautet die theoretische Antwort: Ich wei\u00df es nicht. Auf die zweite aber gibt es eine andere Antwort: Wenn kein Gott ist, dann gibt es letztlich kein Gutes, vor allem f\u00fcr die Zu-kurz-Gekommenen, die Erniedrigten, Gemarterten, die Toten. [\u2026] Mit der Leugnung Gottes verschwindet der Adressat des Protestes, den der biblische Glaube bekennt. Die Anklage hat kein Gegen\u00fcber, sie wird zur blo\u00dfen Klage.\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bei aller Kritik an T\u00fcrks Beitrag: bis hierher war die Argumentationskette einigerma\u00dfen logisch begr\u00fcndet. Nun jedoch beendet er sein Skript mit dem Schlu\u00df, Gott m\u00fcsse existieren, damit man einen Adressaten f\u00fcr eine Klage haben. Nun, das ist schon etwas schwach als Grund f\u00fcr die Existenz eines Gottes.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Schlu\u00df von T\u00fcrks Text enth\u00e4lt nur noch religi\u00f6ses Einerlei ohne jegliche eigentliche Aussage: \u201eGott aber ist in der Anklage gegenw\u00e4rtig, in Jesus ist sie ohnm\u00e4chtig und m\u00e4chtig zugleich, weil er sich von Leid, Bosheit und Tod hat pers\u00f6nlich treffen lassen, wie in dem Lanzensto\u00df am Kreuz. Dabei ist er Gott geblieben und hat Auferstehung aus dem Tod und aus aller Bosheit verwirklicht und auch f\u00fcr uns als Ziel der Sch\u00f6pfung verhei\u00dfen. Damit hat er die Verantwortung \u00fcbernommen daf\u00fcr, da\u00df die Sch\u00f6pfung so ist, wie sie ist, unbegreiflich und doch voller Erwartung und Hoffnung auf eine endg\u00fcltige Macht und Liebe, deren Vereinbarkeit wir jetzt noch nicht begreifen k\u00f6nnen, die uns aber zugesagt ist.\u201c\u2026 Amen m\u00f6chte man sagen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In der deutschen Medienlandschaft kann man eine zunehmende <a href=\"http:\/\/www.Atheologie.de\/x\/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=66&amp;Itemid=11\" target=\"_blank\">Versch\u00e4rfung der Argumentation<\/a> gegen Atheisten und Agnostiker feststellen. T\u00fcrk mit seinem Beitrag im bayerischen Rundfunk ist hier nur einer von vielen, der auf demagogische Art und Weise den Konfessionslosen unterstellt, k\u00e4mpferisch und sogar militant zu sein, um damit atheistische und agnostische Menschen im Ansehen der Gesellschaft zu diskreditieren. In meinen Augen ist dies schlicht und einfach schlechter Stil. Aber es funktioniert leider in den daf\u00fcr empf\u00e4nglichen Kreisen der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren konnte man feststellen, da\u00df es selbst im bayerischen Rundfunk nicht immer nur christlich und christsozial zugehen mu\u00df. Im Gegenteil, z.B. mit \u201eQuer\u201c von Christoph S\u00fc\u00df gibt es aufgewecktes, frisches Fernsehen. Allerdings gibt es im Bayerischen Rundfunk auch die Sendung \u201eKatholische Welt\u201c. Hans-Joachim T\u00fcrk hat am 3. 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