{"id":1021,"date":"2020-05-23T13:47:56","date_gmt":"2020-05-23T12:47:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.atheologie.de\/blog\/?p=1021"},"modified":"2020-05-23T14:56:04","modified_gmt":"2020-05-23T13:56:04","slug":"antidemokratische-inschrift-auf-der-kuppel-des-humboldtforums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/?p=1021","title":{"rendered":"Antidemokratische Inschrift auf der Kuppel des Humboldtforums &#8211; Onlinepetition"},"content":{"rendered":"\n<h1>Ist das Retro oder kann das weg?<\/h1>\n<p>Das Humboldt-Forum in Berlin, das in Form des ehemaligen Berliner Stadtschlosses wiederaufgebaut wird, ist aktuell eines der gr\u00f6\u00dften und prestigetr\u00e4chtigsten Bauvorhaben der Bundesrepublik Deutschland. (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wiederaufbau_des_Berliner_Schlosses\">Wikipedia<\/a>). W\u00e4hrend die Anbringung eines christlichen, tonnenscheren goldenen Kreuzes prominent auf der Kuppel des Geb\u00e4udes 2017 erst nach langer Diskussion beschlossen wurde (<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/kreuz-debatte-am-humboldt-forum-berliner-stadtschloss-bekommt-kuppelkreuz\/19970628.html\">tagesspiegel<\/a>), wurde nun bekannt, da\u00df auch die historische Inschrift der Kuppel des ehemaligen Schlosses wieder angebracht wird. Eine Diskussion in der \u00d6ffentlichkeit dazu gab es nicht. (<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/christliche-symbole-auf-dem-humboldt-forum-alte-inschrift.691.de.html?dram:article_id=477227\">DLF<\/a>)<\/p>\n<p>Die Inschrift lautet: &#8222;<em>Es ist kein ander Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, da\u00df im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.<\/em>&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/toleranz-die-unmoegliche-inschrift-1.4914829\">SZ<\/a>, Druckausgabe 23.5.20)<\/p>\n<p><strong>Ist das Retro oder kann das weg? Es kann weg.<\/strong> Niemand in unserer demokratischen Gesellschaft ist gezwungen, vor irgendjemandem das Knie zu beugen. Das widerspricht zutiefst dem Selbstverst\u00e4ndnis des Souver\u00e4ns, der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.<\/p>\n<p><!--more-->Abgesehen davon, da\u00df in einem modernen Staatsgebilde religi\u00f6se Dogmen keine Rolle spielen d\u00fcrfen, also die Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes, die Existenz Jesu sowie die Existenz von Himmel und H\u00f6lle, einerlei sind, mu\u00df dieser Spruch an so prominenter Stelle unserer Republik jedem Demokraten Schmerzen bis in die Eingeweide verursachen. So wie es verfehlt ist, bei einem Staatsakt zur Feier der Bayerischen Verfassung anstatt der W\u00fcrdigung des Revolution\u00e4rs Kurt Eisner den Nachkommen der Monarchie zu begr\u00fc\u00dfen, dessen Vertreter man 1918 aus dem Land gejagt hatte (<a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/100-jahre-freistaat-bayern-geschichtsstunde-bei-csu-10537451.html\">M\u00fcnchner Merkur<\/a>), so ist es absurd sich dem\u00fctig \u00fcber den eigenen K\u00f6pfen eine weithin sichtbaren antidemokratische Aussage eines K\u00f6nigs zu montieren. Denn mit \u00a0dieser Inschrift wollte Friedrich Wilhelm IV. (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Wilhelm_IV.\">Wikipedia<\/a>)\u00a0 seine Absicht zur Unterdr\u00fcckung der Demokratie und B\u00fcrgerrechte, hin zu einer absolutistischen Herrschaft offenkundig machen. Und nun soll sich ein republikanischer Staat mit solch einer Inschrift schm\u00fccken?<\/p>\n<p>\u00c0 propos K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV.\u00a0 &#8211; war da nicht was? Richtig, die Dynastie der Hohenzollern, dessen letzter Spro\u00df seinem ber\u00fchmten Vorfahren nun mit seinen &#8222;Eiern aus Stahl&#8220; ( <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kFZKaXi7HyM\">B\u00f6hmerann\/Youtube<\/a> , <a href=\"http:\/\/www.hohenzollern.lol\/\">hohenzollern.lol<\/a>) alle Ehre macht, um sich Entsch\u00e4digung f\u00fcr seine alten Adelspfr\u00fcnde von der Bundesrepublik zu erstreiten. Diesem edlen Geschlecht setzen wir B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern der Bundesrepublik nun ein weiteres Denkmal.<\/p>\n<p>Das Humboldt-Forum hat angek\u00fcndigt, das Kreuz und die Inschrift historisch einzuordnen (<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/christliche-symbole-auf-dem-humboldt-forum-alte-inschrift.691.de.html?dram:article_id=477227\">DLF<\/a>). Da stellt sich die Frage: Warum baut man erst etwas f\u00fcr Millionen Euro, wof\u00fcr man dann absehbar, damit es nicht zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen kommt, eine Erkl\u00e4rung nachschieben mu\u00df? M\u00f6glicherweise ist das Kreuz am Ende, so wie in Bayern nach dem Kruzfixurteil des Bundesverfassungsgericht vor 25 Jahren (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kruzifix-Beschluss\">Wikipedia<\/a>), gar kein christliches Kreuz, sondern lediglich ein kulturelles Zeichen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kruzifix-Beschluss\">SZ<\/a>)? Wenn diese historische Einordnung so gut gelingt, wie im Falle der &#8222;Judensau&#8220; in Wittenberg, na toll. (<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/aktionskuenstler-zu-antisemitischem-relief-in-wittenberg.1008.de.html?dram:article_id=469451\">DLF<\/a> , <a href=\"https:\/\/www.wittenberg.de\/rathaus\/pressemitteilungen\/2017-07-21\/erklaerung-des-wittenberger-stadtrates-zur-relief-tafel-mit-der-judensau-an-der-suedlichen-aussenwand-der-stadtkirche.html\">wittenberg.de<\/a>).<\/p>\n<p>Es macht es nicht besser, da\u00df Kreuz und Inschrift von Spenden finanziert werden. Den L\u00f6wenanteil mit 644 Mio Baukosten \u00fcbernimmt der Staat, demgegen\u00fcber stehen Spenden von 80 Mio f\u00fcr die Au\u00dfenfassade und 25 Mio f\u00fcr die Kuppel (<a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/faq\/\">Humboldtforum<\/a>). Mit einer vergleichsweisen geringen Geldsumme wird hier ein komplettes, um ein vielfach kostspieligeres Geb\u00e4ude regelrecht gekapert und der demokratischen Gesellschaft entfremdet.<\/p>\n<p>Das Kreuz und die Inschrift auf dem Humboldtforum sind vermutlich nur deswegen kein formeller Versto\u00df gegen die Neutralit\u00e4t des Staates, da das Geb\u00e4ude und die Ausstellung von einer Stiftung kuratiert wird &#8211; und somit zwar zum Gro\u00dfteil vom Staat bezahlt wird, der Staat jedoch eben nicht Eigent\u00fcmer ist (<a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/514858\/8093501b9e3deee5ebe58a8569786403\/WD-3-112-17-pdf-data.pdf\">Wissenschaftliche Dienste\/Bundestag<\/a>). Es ist somit vermutlich kein &#8222;\u00f6ffentliches Geb\u00e4ude&#8220; im eigentlichen Sinn.<\/p>\n<p>Ungehindert dessen wird es jedoch auch weiterhin so sein, da\u00df die Finanzierung der Stiftung auch in Zukunft ma\u00dfgeblich durch den Staat erfolgen wird. Letztendlich wird das Humboldtforum, auch wenn es wohl nicht formell als staatliche Repr\u00e4sentation gesehen werden kann, allein aufgrund der Geschichte und Lokalit\u00e4t des Ortes sowie der Ausstellungskonzepte als Aush\u00e4ngeschild der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Berlin gesehen werden. Dies ist durchaus positiv, wenn durch geeignete Ausstellungen ein neues kulturelles Zentrum entsteht und gef\u00f6rdert wird. Damit erhalten das Geb\u00e4ude und die Ausstellung jedoch im Gegenzug die Verantwortung, im gesellschaftlichen Raum der Bundesrepublik sorgf\u00e4ltig zu agieren. Dem widerspricht aufs tiefste ein tonnenschweres, goldenes Kreuz, da\u00df die weltanschauliche Neutralit\u00e4t des Staates verletzt, und dem widerspricht umso mehr ein reaktion\u00e4res und geschichtsvergessenes Spruchbanner auf der Au\u00dfenseite der Kuppel. \u00a0Im Interview mit dem Deutschlandfunk (<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/christliche-symbole-auf-dem-humboldt-forum-alte-inschrift.691.de.html?dram:article_id=477227\">DLF<\/a>) nennt Nikolaus Bernau den aus der Bibel stammenden Spruch zu Recht &#8222;Antidemokratische Propaganda&#8220;.<\/p>\n<p>Ist nun alles schon zu sp\u00e4t? Vermutlich: ja. Allerdings: Aktuell bis Mitte August 2020 kann man sich einer Online-Petition (<a href=\"https:\/\/www.openpetition.de\/petition\/online\/keine-vereinnahmung-des-humboldtforums-fuer-eine-spezielle-weltanschauung\">openpetition.de<\/a>) gegen Kreuz und Inschrift anschlie\u00dfen, um zumindest seinem Unwillen Ausdruck zu verleihen, diesen Mi\u00dfbrauch zu akzeptieren. Bitte unterschreiben Sie! Vielleicht findet sich doch noch ein besserer Spruch &#8211; zur Auswahl haben wir viele. Wie w\u00e4re es mit <em>&#8222;Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Oder, alternativ, im Sinne des Namensgebers: &#8222;<em>Eine Eigent\u00fcmlichkeit des Cham\u00e4leons ist sein Verm\u00f6gen, zur gleichen Zeit nach verschiedenen Richtungen sehen zu k\u00f6nnen, mit dem einen Auge gen Himmel, mit dem anderen zur Erde. Es gleicht darin manchem Kirchendiener, der dasselbe ebensogut kann.<\/em>&#8220; (Alexander von Humboldt, <a href=\"https:\/\/www.aphorismen.de\/suche?f_autor=1846_Alexander+von+Humboldt\">Aphorismen.de<\/a>).<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bildquelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:AvHumboldt.jpg\">Wikipedia, gemeinfrei<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist das Retro oder kann das weg? Das Humboldt-Forum in Berlin, das in Form des ehemaligen Berliner Stadtschlosses wiederaufgebaut wird, ist aktuell eines der gr\u00f6\u00dften und prestigetr\u00e4chtigsten Bauvorhaben der Bundesrepublik Deutschland. (Wikipedia). W\u00e4hrend die Anbringung eines christlichen, tonnenscheren goldenen Kreuzes prominent auf der Kuppel des Geb\u00e4udes 2017 erst nach langer Diskussion beschlossen wurde (tagesspiegel), wurde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1022,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,3],"tags":[],"class_list":["post-1021","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-atheismus-atheologie","category-politik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1021"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1021\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1031,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1021\/revisions\/1031"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.atheologie.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}